Waschbären Tierische Einwanderer

Mit ihren schwarz-weiß umrandeten Augen sehen sie aus wie kleine Banditen. Tatsächlich haben es Waschbären faustdick hinter den Ohren. Ursprünglich kommen sie aus Nordamerika, aber längst haben sie es sich bei uns gemütlich gemacht.

Waschbären sehen knuddelig aus – mit ihrem flauschigen Fell und dem süßen Gesicht. Wer einmal einen Waschbären gesehen hat, erkennt ihn so immer wieder. Eindeutiges Merkmal ist auch der schwarz-weiß geringelte Schwanz. Die etwa katzengroßen Säugetiere bestechen nicht nur durch ihr einnehmendes Aussehen – sie haben auch was im Köpfchen: Es gibt Berichte von Waschbären, die Vorratsgläser aufschrauben, Schlösser und Knoten öffnen – gerne auch, wenn man durch das Lösen der kniffeligen Aufgaben an etwas Fressbares gelangen kann.

Wie kommt der Waschbär zu uns?

Zwischen Amerika und Deutschland liegt der Atlantik, ein ziemlich großes Meer. Wie ist der pelzige Kerl dann zu uns gekommen? Pelz ist hier das Stichwort: Als Pelzlieferant wurde der Waschbär auch nach Deutschland gebracht, um erst mal in Pelzfarmen gehalten zu werden. Denn sein weiches und dichtes Fell wurde auch als Mantel, Jacke oder Mütze geschätzt.

Hier und dort ist dabei einer aus der Farm entwischt. Aber 1934 wurde er auch bewusst ausgesetzt, um ihn hier als Teil der Tierwelt anzusiedeln. Das war sehr erfolgreich: vor allem in der Nähe von Berlin und bei Kassel gibt es inzwischen regelrechte Waschbären- Hochburgen. Insgesamt schleichen zwischen 600 000 und 800 000 Tiere in Deutschland durch die Nacht. Anfangs stand der Waschbär noch unter Naturschutz, inzwischen darf er aber von Jägern erlegt werden.

Wandernde Waschbären

Ein Grund, warum Waschbären sich in Deutschland so stark ausbreiten, ist ihre Wanderlust. Vor allem junge Männchen suchen, mit einem Jahr kaum der mütterlichen Fürsorge entwachsen, das Weite. Zwischen fünf und zwanzig Kilometer entfernen sich die Tiere dabei von ihrem Geburtsort. Dort erschließen sie sich neue Reviere.

Wasserfan

Waschbären lieben das Wasser. Sie halten sich gerne in der Nähe von Flüssen, Bächen oder Teichen auf und planschen hier und da mal eine Runde. Wenn man dabei noch eine Muschel oder einen Frosch erbeuten kann, umso besser. Die Beute wird im Wasser genau untersucht, man könnte denken, er wäscht sein Essen erst einmal ordentlich ab, bevor er reinbeißt. So kam der Waschbär zu seinem Namen.

Tatsächlich prüft der Waschbär so, ob er da etwas Essbares zwischen den Pfoten hat. Dabei helfen ihm spezielle Tasthaare an den Pfoten. Er ist also ein sehr feinfühliges Kerlchen mit feinem Tastsinn. Manche sagen, er „erfühlt“ sich seine Welt – und ganz sicher hilft ihm sein guter Tastsinn in vielen Situationen weiter.

Deutschland hat einen Rekordhalter: Forscher markierten 2009 einen jungen Waschbären und verfolgten ihn per Funk auf seinen Wanderungen. Vom Müritz-Nationalpark im Osten Deutschlands bis nach Oerel in Niedersachsen lief der wanderlustige Waschbär: Das sind 285 Kilometer. Das ist die weiteste Entfernung, die Wissenschaftler für Waschbären je gemessen haben.

Allesfresser

Waschbären schmeckt eine Menge. Sie mögen Beeren und Früchte, schmausen Insekten und Amphibien, gerne auch mal Schnecken, Muscheln oder Regenwürmer. Selten schnappen sie sich auch mal einen Vogel oder eine Maus. Wenn der Winter naht, fressen sie sich dank nahrhafter Eicheln ein dickes Polster für die kalten Monate an.

Ihr abwechslungsreicher Speiseplan ist eines der Erfolgsgeheimnisse der Waschbären. Wer nicht wählerisch ist, findet überall etwas zu fressen. In der Stadt bieten Mülltonnen, Fressnäpfe von Haustieren oder weggeworfene Reste auch den ein oder anderen Leckerbissen.

Plagegeister

So niedlich Waschbären sind, so nervig können sie auch sein. Insbesondere, wenn sie einen Weg auf den Dachboden gefunden haben und dort rumoren. Auch graben sie gerne im Garten in den frischen Beeten nach Insektenlarven oder durchwühlen den Müll. Das hinterlassene Chaos nervt.

Vereinzelt bringen sie auch einheimische Arten wie den bodenbrütenden Vogel Kiebitz, Amphibien oder den Rotmilan in Gefahr. Manche Menschen fordern daher, mehr von den Tieren zu töten – entweder mit Fallen oder indem sie erschossen werden. Allerdings hilft das nicht viel. Wenn viele Waschbären sterben, bekommen sie auch mehr Nachwuchs.