US-Wahl Der neue Präsident steht noch nicht fest

Die USA halten nach der Wahl den Atem an, denn ein endgültiges Ergebnis fehlt.

Auf den Ausgang dieser Wahl hat die ganze Welt gewartet: Wohin steuern die USA in den nächsten vier Jahren? Heißt es weiterhin „Amerika zuerst“ – ganz nach dem Motto von Präsident Donald Trump? Oder leitet die Weltmacht unter Joe Biden eine neue Politik ein? Eine, die klimafreundlicher, weniger provozierend und weniger rassistisch ist. Die Antwort auf diese Frage hieß in der Wahlnacht erst einmal: keine Ahnung. Bisher steht noch nicht fest, ob Trump oder Biden die US-Wahl gewonnen hat. Ginge es nach Donald Trump, so wäre längst klar: Er bleibt Präsident. Trump rief sich selbst zum Sieger aus, obwohl das Rennen um das Weiße Haus noch völlig offen war. Er forderte, dass alle noch nicht ausgezählten Stimmen nicht mehr gelten dürften. Bisher ist aber Biden knapp in Führung.

Kann sich Trump selbst zum Sieger erklären? Nein, das ist ein politischer Schachzug. Trump sät damit Zweifel in der Bevölkerung, ob die Wahl rechtmäßig war. Vielleicht will er so einen später verkündeten Wahlsieg Bidens angreifbar machen.

Ist es normal, dass das Auszählen so lange dauert? Durch die vielen Briefwähler ist die Auszählung der Stimmen aufwendiger. Der Chef des Bundesstaats Pennsylvania sagte, die Auszählung könne sogar noch Tage dauern: „Aber das ist in Ordnung, denn es ist entscheidend, dass Ihre Stimme ausgezählt wird – und das wird sie auch.“

Muss ein Gericht die Wahl entscheiden? Auch die höchsten US-Richter, von denen viele Trump ihren Job verdanken, können nicht über den Wahlausgang entscheiden. Aber sie könnten das Auszählen stoppen, bestimmte Stimmen nicht mehr zulassen oder für ungültig erklären. Das könnte das Ergebnis beeinflussen.

Briefwahl: Wegen Corona haben viel mehr Wähler als sonst ihre Stimme per Briefwahl oder an einem Drive-thru-Schalter mit dem Auto abgegeben. Early Votes (Frühe Stimmen) nennen die Amerikaner diese Stimmen. Es sind vor allem Demokraten, also Anhänger von Joe Biden, die diese Möglichkeit nutzen. Sie sorgen sich mehr vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus in einem Wahllokal als die Anhänger von Donald Trump. Da die Briefwahlstimmen in drei entscheidenden Bundesstaaten erst zuletzt oder sogar erst Tage nach der Wahl ausgezählt werden, hofft das Biden- Lager: Je länger gezählt wird, desto enger könnte es für Trump werden. Trump hat schon vor der Wahl versucht, mit Klagen die Briefwahl stark einzuschränken oder die Stimmen für ungültig zu erklären, falls das Auszählen zu lange dauern sollte.