Tiertrainerin „Nach dem dritten Versuch langweilen sich Hunde“

Als Hündin Lassie kuschelt Bandit mit dem Hauptdarsteller, springt über Straßenabsperrungen und läuft durch ganz Deutschland. Unsere Kinderreporter Luisa (9) und Konrad (9) haben den Star des Films „Lassie – Eine abenteuerliche Reise“ und seine Trainerin Renate Hiltl getroffen.

Luisa: Frau Hiltl, wie haben Sie und Bandit es geschafft, so ein gutes Team zu werden?

Renate Hiltl: Ich bilde schon sehr lange Tiere für Film und Fernsehen aus. Bandit kam als junger Hund, mit etwa fünf Monaten, zu mir. Dann habe ich erst einmal eine enge Bindung zu ihm aufgebaut. Wir haben viel gespielt, und er hat viel gelernt: An der Leine zu gehen, dass er keine Angst vor Autos oder anderen Tieren hat, dass er kommt, wenn man ihn ruft. Im zweiten Lebensjahr habe ich ihn dann als Filmhund ausgebildet. Schritt für Schritt, ganz langsam.

Luisa: Wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen dem Regisseur und den Tiertrainern?

Renate Hiltl: Zu Beginn besprechen wir, was man mit einem Hund alles machen kann und was im Drehbuch stehen könnte. Dann bringen wir Trainer dem Tier nach und nach alles bei, was im Drehbuch steht. Wenn man  während des Trainings oder auch erst am Filmset merkt, dass das nicht wie geplant funktioniert, rauft sich der Drehbuchautor die Haare und muss das Buch umschreiben. Das meiste haben die Hunde aber sehr gut umgesetzt. Und beim Filmschnitt kann man viele kleine Kunststücke ohne Probleme aneinanderreihen.

Konrad: Welche Tricks mag Bandit am liebsten?

Renate Hiltl: „Gib Laut“ – dafür stelle ich mit meiner Hand ein offenes Maul dar. Bandit bellt nämlich sehr gerne. Er dreht sich auch gerne und gibt Pfötchen. Das macht er sogar von sich aus, wenn er ein Leckerli erbetteln will.

Konrad: Wie kommunizieren Sie mit dem Hund so, dass man es im Film nicht merkt?

Renate Hiltl: Wir Hundetrainer stehen meist hinter der Kamera und geben Zeichen, zum Beispiel für „Sitz“, „Platz“, oder „Gib Laut“. Natürlich ist der Hund auch mal abgelenkt. Das darf er auch sein. Schließlich ist auch ein Schauspieler mal abgelenkt und spielt die Szene nicht so gut. Aber beim Hund ist es in der Regel so: Die ersten zwei, drei Mal macht er seine Sache sehr gut. Dann findet er es langweilig und wird schlechter. Der Schauspieler ist dagegen am Anfang meist nicht so gut, wird aber immer besser, je öfter er die Szene spielt. Beim Filmschnitt kann man dann das Beste von beiden zusammensetzen.

Konrad: Ist im Film immer Bandit zu sehen oder gibt es mehrere Hunde für so einen Film?

Renate Hiltl: Zu 90 Prozent ist Bandit zu sehen. Er hatte zwei Doubles: Bailey und Buddy. Wenn man Lassie zum Beispiel nur in der Ferne laufen sieht, dann war das einer der beiden. So konnte Bandit sich auch mal ausruhen. In einer Szene fällt Lassie einen Wasserfall hinunter. Für diese Szene gab es eine Stoffpuppe, weil man das natürlich nicht mit einem echten Hund dreht.

Luisa: Wie haben Sie es geschafft, dass Bandit auch so gut auf die Kinderschauspieler hört?

Renate Hiltl: Nico, der im Film Lassies besten Freund spielt, kam einige Wochen lang immer wieder zu uns zu Besuch und hat die Hunde langsam kennengelernt. Zum Schluss haben sich die Hunde immer total gefreut, wenn sie Nico gesehen haben. Denn sie wussten: Mit dem können wir jetzt spielen.

Konrad: Kann jeder Hund Filmhund werden oder sind bestimmte  Rassen besonders geeignet?

Renate Hiltl: Das würde ich nicht an der Rasse festmachen. Jeder Hund kann Tricks lernen, und jeder Besitzer kann mit seinem Haustier in die Hundeschule gehen. ­Trotzdem kann nicht jeder Hund Filmstar werden. Nur wenige stehen gerne im Mittelpunkt und wollen vor der Kamera zeigen, was sie ­gelernt haben. Bandits Doubles waren in manchen Bereichen gut – zum Beispiel sind sie nicht so wasserscheu. Aber sie waren nicht so ein Multitalent wie Bandit. Er ist ein echter Star.


Jetzt im Kino: Süße Hunde, tolle Kinderdarsteller, schöne Landschaften – und ganz viel Drama. Darauf können sich die Zuschauer von „Lassie – Eine abenteuerliche Reise“ freuen. Im Film wird schnell klar: In der neuen Wohnung darf Flos Familie keinen Hund halten. Lassie zieht erst einmal um,  zum Grafen von Sprengel und seiner Enkelin Priscilla. Als die beiden an die Nordsee reisen, fährt Lassie mit. Doch im hohen Norden büxt die Hündin aus und macht sich auf den Weg in die Heimat – zurück in den Süden, nach Bayern, zurück zu ihrem besten Freund  Flo. Dass Flo sich schließlich selbst auf die Suche nach Lassie begibt und es  dabei zu einigen Schwierigkeiten kommt, ist klar. Wie gut, dass es zwischendurch auch mal etwas zum Lachen gibt – dem überkorrekten und zugleich sehr gefühlvollen Butler und der niedlichen Hündin Toots sei Dank!