Thomas D „,Die da?!‘ war uns lange peinlich“

Die Fantastischen Vier gibt es  seit 30 Jahren, darum kommen sie nun ins Museum. Bei der Eröffnung der Ausstellung „Troy“ im  Stuttgarter Stadtpalais hat Thomas D den Reporterinnen Lola (8, rechts)  und Emily (8) einiges gebeichtet.

Lola: Thomas, früher hattest du immer so viele lustige Frisuren. Warum trägst du heute so eine langweilige Glatze?

Thomas D: Stimmt, ich habe alle Frisuren ausprobiert. Ich hatte sogar mal künstliche Zöpfe. Ich war ja mal Friseur, und da haben wir uns immer gegenseitig die  Haare gemacht, wenn wir keine Kunden hatten. Daher kam meine Begeisterung für Frisuren. Aber jetzt bin ich doch schon ein etwas älterer Herr, da wächst oben auf dem Kopf nicht mehr so viel. Darum habe ich mich jetzt auf verschiedene Bartfrisuren spezialisiert.

Emily: Schneidest du deinen Kindern selbst die Haare, wenn du früher Friseur warst?

Thomas D:  Oh, das ist ein ganz schwieriges Thema! Angeboten habe ich es ihnen schon öfter. Aber ich habe mal meiner Frau die Haare geschnitten –  meiner Meinung nach höchstens drei bis fünf Zentimeter zu kurz. Aber ihr wisst, was das für Frauen bedeutet . . . Jedenfalls, danach war daheim die Hölle los. Seitdem lasse ich das. Mir ist es lieber, meine Kinder gehen zum Profi und sind dann auf den sauer.

Lola: Spielst du ein Instrument?

Thomas D: Nein, ich kann auch keine Noten lesen. Ich habe mal versucht, Saxofon zu lernen. Aber mein Lehrer hat mich drei Jahre lang die Tonleiter spielen lassen. Das war so frustrierend, dass ich aufgehört habe.

Lola: Wie hast du gemerkt, dass du rappen kannst?

Thomas D:  Erst dachte ich: Rappen kann ja jeder. Das war aber ein Fehler, denn das ist gar nicht so einfach. Aber durch Smudo und Andi, die schon länger solche Musik mit vielen Beats und ohne Instrumente gemacht hatten, bin ich dann da reingerutscht. Und weil ich nicht singen kann, war das eine schöne Möglichkeit, meine Gedanken auf eine andere Art und Weise auszudrücken. 

Emily: Warum habt ihr euch für die deutsche Sprache entschieden? Und findest du die anderen deutschen Rapper auch gut?

Thomas D: Wir haben die deutsche Sprache ausgesucht, weil wir so am besten sagen konnten, was wir fühlen.  Auf Englisch zu rappen wäre für uns sehr schwierig geworden. Da hätten wir ständig im Wörterbuch nachschlagen müssen, und am Ende hätten echte Engländer oder Amerikaner dann doch gesagt: „Wie reden die denn?“  Also haben wir uns für Deutsch entschieden, obwohl es sich auf Englisch besser reimen lässt. Und heute, 30 Jahre später, rappen auch viele andere auf Deutsch, weil sie so auch besser sagen können, was sie denken. Bei manchen denke ich, die denken ein bisschen wenig. Aber hey, jeder macht sich eben seine eigenen Gedanken.

Lola: Findest du die Leute in deiner Band nett?

Thomas D: Ja!

Lola: Sind  alle gleich nett?

Thomas D (lacht):  Ich bin der Netteste! Nein, wir sind wirklich alle sehr nett, und wir haben uns sehr lieb. Wir sind echte Freunde und streiten uns fast nie. Wenn einem etwas auf die Nerven geht, was der andere macht, schweigen wir einfach.

Emily: Was ist dein Fanta-4-Lieblingslied?

Thomas D: Ein einziges gibt es nicht. Aber unsere letzte Single „Zusammen“ ist wirklich ein tolles Stück. Und „MfG“ ist natürlich einzigartig. Seitdem wir das geschrieben haben, kann eigentlich kein anderer mehr einen Song mit Abkürzungen machen. Denn dann sagen alle:  „Hä?! Das haben doch die Fantas schon gemacht.“ So ein Kunststück gelingt einem selten.

Emily: Und gibt es auch einen Song, den du gar nicht mehr spielen magst?

Thomas D: Auf „Saft“ bin ich nicht so stolz.  „Die da!?“ haben wir auch 20 Jahre lang nicht mehr gesungen, weil uns der Song  peinlich war. Aber jetzt spielen wir ihn wieder, weil er eben auch ein Teil unseres Lebens ist.

Lola: Du bist ein Star. Wie sieht dein Alltag aus?

Thomas D: Ich lebe ganz abgeschieden auf einem  Dorf, in das nur eine Sackgasse führt. In meiner Freizeit betätige ich mich ganz viel als Handwerker. Ich habe mir jetzt einen echten Bagger gekauft und  zwei Trampoline im Garten vergraben. So können meine Kinder direkt von der Wiese aufs Trampolin hüpfen, ohne erst eine Leiter hoch zu müssen. Das hat zwei Monate gedauert, letzte Woche bin ich fertig geworden. Beim Handwerk machst du etwas mit den Händen, und am Abend tut dir alles weh. Doch dann schaust du drauf und hast etwas geschaffen. Beim Musikmachen ist das anders. Da tut dir drei Jahre lang alles weh, weil dir keine Ideen kommen. Und wenn du es dann endlich geschafft hast, bist du plötzlich gar nicht mehr so glücklich damit.

Emily: Ist es ein schönes Gefühl, berühmt zu sein?

Thomas D (lacht): Puh! Meine Pressechefin sagt, dass ich nur noch Zeit für eine ganz kurze Antwort habe. Also: Ja!


Die Ausstellung „Troy“ Vor 30 Jahren sind Die Fantastischen Vier zum ersten Mal gemeinsam unter diesem Namen aufgetreten. In einem stillgelegten Kindergarten in Stuttgart-Wangen. Seither ist sehr viel passiert –  und die Fanta Vier sind eine der bekanntesten Pop- und Hip-Hop-Gruppen in Deutschland. Im Stadtpalais wird der Geburtstag von Stuttgarts berühmtester Band nun mit einer tollen Ausstellung gefeiert: „Troy“ (Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr). Da gibt’s alles rund um die Fantas. Ausstellungsstücke wie alte Kassetten, Bühnenkleidung oder eine Brillensammlung von Thomas D. Wer möchte, kann auch in die Kulissen von alten Videoclips reinlaufen oder das nachgebaute Kinderzimmer von And.Ypsilon anschauen, in dem die ersten Stücke der Fantas entstanden sind.  Kinder haben freien Eintritt.