Terry Reintke "In Straßburg ist immer alles ein bisschen stressig"

Bei der Europawahl am Wochenende werden die Abgeordneten des EU-Parlaments gewählt. Unsere Kinderreporter Paul, Emma und Luke haben mit der Abgeordneten Terry Reintke über ihre Arbeit gesprochen.

Emma: Warum sind Sie Politikerin geworden?

Terry Reintke: Weil ich die Welt besser machen wollte. Und dann hab ich gedacht, in der Politik werden immer wichtige Entscheidungen getroffen, also geh ich dort hin.

 

Paul: Sie gehören zu den jüngsten Abgeordneten. Wie ist das für Sie?

Terry Reintke: Am Anfang war das für manche schon immer eine Überraschung. Wenn ich zum Beispiel zu Sitzungen gekommen bin, dann haben die gedacht, dass ich gar keine Abgeordnete bin, sondern eine Mitarbeiterin oder eine Praktikantin. Und manche haben mich auch blöd behandelt, so als ob ich nicht richtig zählen würde. Aber mittlerweile ist es besser geworden. Die Älteren haben gemerkt, dass ich auch mitrede.

 

Emma: Gibt es viele Frauen im Parlament?

Terry Reintke: Wir sind ungefähr ein Drittel. Also noch nicht wie es eigentlich sein sollte die Hälfte. Aber ich hoffe, dass jetzt bei der Wahl ganz viele Frauen ins Parlament gewählt werden!

 

Luke: Wie sieht Ihr Arbeitstag im Parlament aus?

Terry Reintke: Wenn wir in Straßburg sind, dauert mein Arbeitstag normalerweise sehr lange. Er fängt meistens morgens um acht Uhr an, dann gibt es Frühstück und dann unterschiedliche Sitzungen, dann haben wir Abstimmungen und dann abends noch Fraktionssitzungen, die dauern so bis acht. Und dann hab ich manchmal noch zusätzliche Treffen. Es kann sein, dass ich so dreizehn oder vierzehn Stunden am Tag arbeite. Das ist schon ganz schön anstrengend, wenn man den ganzen Tag im Parlament ist und die ganze Zeit reden muss.

 

Emma: Haben Sie auch mal Ferien?

Terry Reintke: Ja. Dann fahr ich ganz viel mit dem Fahrrad durch die Gegend. Damit man auch mal was anderes macht, als immer nur im Parlament rumzusitzen.

 

Emma: Wie viel Zeit verbringen Sie in Straßburg, Brüssel und im Ruhrgebiet?

Terry Reintke: Im Monat sind wir ungefähr eine Woche in Straßburg, zwei Wochen in Brüssel und eine Woche bin ich im Ruhrgebiet (Nordrhein-Westfalen), da wo ich herkomme.

 

Luke: Wo arbeiten Sie am liebsten?

Terry Reintke: Ich glaube, für mich macht es die Mischung aus. Ich arbeite gerne in Brüssel und natürlich bin ich auch gerne zu Hause. Weil ich da ganz viele Freundinnen und Familie hab und dann kann ich mit denen auch mal was unternehmen. Ich bin nicht so gerne in Straßburg, weil dort immer alles ein bisschen stressig ist.

 

Paul: Könnten Sie sich auch vorstellen, im Deutschen Bundestag als Abgeordnete zu arbeiten?

Terry Reintke: Ich wollte eigentlich immer lieber ins Europäische Parlament. Ich finde es super spannend, mit so vielen Menschen aus ganz unterschiedlichen Ländern zusammen zu arbeiten.

 

Emma: Was ist das Beste und was das Blödeste an Ihrem Beruf?

Terry Reintke: Ich glaube, das ist eigentlich das Gleiche, weil es ein bisschen darauf ankommt, von welcher Seite aus man es betrachtet. Ich finde das Beste an dem Beruf ist, dass man so viele unterschiedliche Menschen kennenlernt und so viel unterwegs ist. Aber andererseits ist das auch das Blödeste, weil man dadurch nicht so viel bei seiner Familie sein oder seine Freunde treffen kann.

 

Paul: Im Europäischen Parlament gibt es mehr als 700 Abgeordnete, wie viele kennen sie nach fünf Jahren persönlich?

Terry Reintke: Ich würde sagen so 250 oder 300 kenne ich mit Namen und grüße ich. Näher kenne ich vielleicht so 50, also dass ich mit denen auch wirklich mal einen Kaffee trinken gewesen bin. Aber alle kenne ich immer noch nicht.

 

Emma: Was ist Ihrer Meinung nach das Besondere an der EU?

Terry Reintke: Das Besondere an der EU ist, dass es über Jahrhunderte in Europa immer wieder Krieg gegeben hat und die Europäische Union es geschafft hat, dass unter den Mitgliedsländern Frieden herrscht.

 

Paul: Warum ist das politische System der EU so kompliziert?

Terry Reintke: Das hat damit zu tun, dass es so viele Menschen gibt in der Europäischen Union, die so viele unterschiedliche Meinungen vertreten. Und dass wir eben aus 28 Mitgliedsstaaten bestehen, in denen unterschiedliche Sprachen gesprochen werden und in denen es unterschiedliche Kulturen gibt. Die alle zusammen zu bringen, das ist manchmal schwierig.

 

Emma: Wie finden Sie "fridays for future"?

Terry Reintke: Ich finde "fridays for future" super, weil ich glaube, dass gerade junge Menschen Interesse daran haben sollten, dass wir diese Klimakrise endlich angehen. Es geht ja um eure Zukunft und deshalb ist es wichtig, dass ganz viele junge Menschen auf die Straße gehen und ein bisschen Lärm machen. Damit wir Politikerinnen und Politiker endlich umsetzen, was wir versprochen haben.

 

Luke: Würden Sie Ihren Kindern erlauben, für die Demonstrationen zu schwänzen?

Terry Reintke: Ja, ich glaube, ich fände es sogar gut, wenn die das machen würden. Wenn die sich politisch engagieren würden.


Terry Reintke sitzt seit 2014 im Europäischen Parlament. Die heute 32-Jährige gehört zu den jüngsten Europa-Abgeordneten. Sie ist Mitglied der Partei Die Grünen und setzt sich unter anderem für die Rechte von Frauen und gute Arbeitsbedingungen für alle Menschen in Europa ein.