Suzanna Randall, Astronautin „Kekse sind auf der ISS leider doof“

Suzanna Randall möchte Astronautin werden, seit sie denken kann. Mit etwas Glück könnte es 2022 so weit sein. Unsere Kinderreporterinnen Lia (10) und Julia (9) haben sie über ihren möglichen Alltag auf der ISS ausgefragt.

Julia: Du bist Astrophysikerin. War Physik dein Lieblingsfach in der Schule?

Suzanna Randall: Überhaupt nicht (lacht)! Ich glaube, es hängt ganz stark vom Lehrer ab, ob man sich in der Schule für Physik interessiert. Bis zur zehnten Klasse hatte ich nur Lehrer, die den Unterricht nicht besonders interessant gemacht haben. Ich fand das total langweilig und war auch nicht gut. Das fand ich immer schade, weil ich ja wusste, ich finde das Weltall und Astrophysik interessant, und als Astronautin muss ich das eigentlich können. Darum habe ich mich gefragt, ob ich überhaupt Astronautin werden kann. Und dann hatte ich das Glück, dass ich in der Oberstufe einen wirklich tollen Lehrer bekommen habe. Da habe ich erst gemerkt, dass die Physik interessant ist, weil sie überall ist. Alles, was wir machen, zum Beispiel wie wir jetzt über das Internet miteinander sprechen, das alles ist irgendwie Physik.

Lia: Wenn es klappt mit deinem Flug zur ISS, wie viele Menschen sind dann dort oben?

Suzanna Randall: Bis zu elf Personen können dort sein. Die kommen aus den unterschiedlichsten Ländern, deswegen wird auch hauptsächlich Englisch gesprochen. Die meisten sind zurzeit aus Russland oder aus den USA, weil die beiden Länder am meisten Geld für die Raumfahrt ausgeben. Japan hat auch ein eigenes Modul auf der ISS, die schicken auch relativ viele Astronauten hoch.

Julia: Welche persönlichen Gegenstände wirst du mitnehmen?

Suzanna Randall: Wenn ich für zwei Wochen da oben bin, dann schaffe ich das auch ohne meine persönlichen Sachen. Für Essen, Klamotten und so was ist gesorgt. Man darf auch nur 500 Gramm persönliche Dinge mitnehmen. Stell dir vor: Wenn ich in den Urlaub fliege, dann habe ich mehr als 20 Kilogramm Gepäck dabei. Es ist einfach wahnsinnig teuer, Gepäck in den Weltraum zu befördern. Insa und ich haben schon überlegt, einen Wettbewerb zu machen, zum Beispiel dass uns Kinder Fotos schicken, die wir mitnehmen und danach zurückschicken. Dann haben sie etwas, was mal im Weltraum war.

Lia: Wie sieht ein normaler Tag auf der ISS aus?

Suzanna Randall: Ein normaler Tag ist sehr durchgetaktet. Die Schlafenszeit dauert acht Stunden. Morgens hat man eine Stunde zum Aufwachen, Fertigmachen und Frühstücken. Dann werden eigentlich den ganzen Tag Experimente gemacht, da gibt es so etwas wie einen Stundenplan. Zwischendurch hat man eine Mittagspause zum Essen und Ausruhen. Dann wird weiter gearbeitet. Was man jeden Tag zwei Stunden lang auf der Raumstation machen muss, ist Sport. Sonst benutzt man in der Schwerelosigkeit die Muskeln überhaupt nicht. Und Muskeln bauen schnell ab, so wie wenn jemand zum Beispiel ein gebrochenes Bein hat und das überhaupt nicht benutzt. Samstagnachmittag und am Sonntag hat man frei.

Julia: Was wirst du tun, wenn mal Langeweile aufkommt?

Suzanna Randall: Davor habe ich überhaupt keine Angst. Wahrscheinlich ist es das Tollste, durch die verglaste Kuppel auf die Erde runter zu schauen. Ich glaube, ich könnte Stunden damit verbringen: Ah, da fliegt gerade Afrika unter mir durch. Da ist ein Sturm, ... Langeweile ist vielleicht ein Pro­blem, wenn man eine lange Mission macht, etwa zum Mars. Aber man ist ja auch nicht alleine. Man kann sich auch mit den Kollegen unterhalten oder einen Film schauen

Lia: Was wird auf der Raumstation gegessen?

Suzanna Randall: Ganz früher war es so, dass die Astronauten irgendwelche komischen Geltuben mit Essen darin hatten. Inzwischen kann man da oben fast alles essen. Das meiste ist allerdings tiefgefroren oder dehydriert. Das ist also eingeschweißt verpackt und muss mit Wasser aufbereitet werden. Worauf man beim Essen achten muss: Es darf nicht krümeln. Krümel oder auch Gewürze wie Pfeffer und Salz fallen ja nicht auf den Boden, sondern das bleibt in der Luft. Wenn das dann in die Atemwege oder in die Augen gelangt, kann das unangenehm oder sogar gefährlich werden. Darum sind beispielsweise Kekse leider doof. Was gerne gegessen wird, sind Tortillas mit etwas Klebrigem drauf. Die hält man dann einfach in der Hand oder lässt sie zwischendurch vor sich schweben. Schwierig ist es natürlich, etwas Frisches zu essen. Die Versorgungsschiffe kommen etwa alle zwei bis vier Wochen, da muss das Essen lange haltbar sein.

Lia: Kann man im Weltraum eine richtige Zeitangabe machen?

Suzanna Randall: Die Raumstation bewegt sich alle 90 Minuten einmal um die Erde rum. Man hat also alle 90 Minuten einen Sonnenaufgang und einen Sonnenuntergang. Auf der Raumstation nehmen sie die sogenannte UT, die Universal Time, das ist zurzeit zwei Stunden vor der deutschen Zeit. Eine Zeitzone musste man eben festlegen. Die Astronauten können sich ja nicht alle 90 Minuten schlafen legen – dann würden sie gar nix mehr gebacken kriegen.

Lia: Wie duscht man auf der ISS?

Suzanna Randall: Es gibt keine richtige Dusche, weil das mit dem Wasser natürlich schwierig ist. Darum wäscht man sich mit einem Schwamm. Und für die Haare gibt es Trockenshampoo. Ich glaube, das ist auch das, worauf sich viele Astronauten am meisten freuen, wenn sie zurückkommen: auf eine richtig schöne, heiße Dusche!

Julia: Wie oft wechselt man die Kleidung, und was passiert mit der dreckigen Wäsche?

Suzanna Randall: Die Kleidung wechselt man nur einmal die Woche. Allerdings ist es so, dass man auf der ISS sehr wenig schwitzt. Weil man sich nur beim Sport körperlich wirklich anstrengt. Und dabei tragen wir andere Klamotten. Eine Waschmaschine gibt es nicht. Das heißt, die Wäsche wird nach einer Woche entsorgt. Die Versorgungsschiffe nehmen die dreckige Wäsche als Müll wieder mit, und die verglüht dann in der Erdatmosphäre.

Lia: Wird auf der ISS auch Weihnachten, Ostern oder Geburtstag gefeiert?

Suzanna Randall: Die Astronauten müssen trotzdem arbeiten, aber sie machen es sich dann auch schön. Teilweise nehmen sie Dekoration mit dorthin. Und an ihrem Geburtstag laden viele Astronauten ihre Kollegen zu einem typischen Essen aus ihrem Heimatland ein.


Suzanna Randall wurde 1979 geboren. Schon als Kind wollte sie unbedingt Astronautin werden und als erster Mensch auf dem Mars landen. „Ich wollte immer in das Unbekannte vordringen. In den 80ern gab es Astronautinnen und Astronauten, die mit dem Spaceshuttle in den Weltraum geflogen sind, nicht auf die ISS. Da habe ich mich schon immer gefragt, wie das wohl wäre, mit diesem coolen Spaceshuttle zu fliegen.“ Sie arbeitet als Astrophysikerin, man könnte auch sagen als Sternenforscherin, in Garching in der Nähe von München. Für ihre Forschung muss sie immer wieder nach Südamerika, in die Atacama-Wüste in Chile fliegen. Der wolkenlose Himmel dort eignet sich perfekt, um mit riesigen Teleskopen in die entferntesten Ecken des Weltraums zu schauen. In ihrer Freizeit fährt Suzanna Randall gerne Ski, steigt auf Berge, spielt Klavier und singt im Chor. Und beim Gleitschirmfliegen ist sie dem Himmel schon ein Stück näher.

Suzanna Randall und ihre Kollegin Insa Thiele-Eich haben gemeinsam „Unser Weg ins Weltall“ geschrieben. In dem Buch für Leseanfänger erzählen sie von ihrem langen Traum, ins All zu fliegen, und von ihrem Training. (Oetinger, 8 Euro, ab 7 Jahren)