Segeln Vendée Globe - Einmal um die Welt

Das Vendée Globe gilt als das härteste Segelrennen überhaupt und führt einmal um die Welt. Boris Herrmann ist der erste Deutsche, der sich dieser unglaublichen Herausforderung stellt.

Von der kleinen Hafenstadt Les Sables d’Olonnes an der französischen Atlantikküste aus stechen die Skipperinnen und Skipper mit ihren Jachten in See – es ist immer nur eine Person an Bord, und jegliche Hilfe von außen ist verboten. 33 Teilnehmer sind es in diesem Jahr. Auf die Segler wartet eine abenteuerliche und unglaublich beschwerliche Reise: In 70 Tagen geht es einmal um die ganze Welt, 45 000 Kilometer. Sie durchqueren Weltmeere, segeln über den Äquator und umrunden die Landspitze Kap Hoorn (Chile), den südlichsten Punkt Südamerikas. Und dies in Eiseskälte bei heftigen Stürmen ebenso wie in drückender Hitze und bei Flaute. Knapp die Hälfte der Segler kommt normalerweise nicht ins Ziel und muss aufgeben.

Die erste Hälfte ist geschafft
Zur Halbzeit der Regatta ist Boris Herrmann auf Platz vier gesegelt – ein sehr gutes Ergebnis, immerhin macht er das erste Mal mit! Die anstrengenden Tage im Indischen Ozean, mit denen alle Weltumsegler schwer zu kämpfen hatten, sind nun hoffentlich erst einmal vorbei. Im Pazifik wird nun Weihnachten gefeiert, etwas einsam, aber zuversichtlich. Schließlich geht es ihm gut, und das Boot ist noch ganz.

Viel Technik auf hoher See
Die Boote haben mit einer gemütlichen Segeljolle nichts gemein: Es sind superleichte Hightech-Geschosse aus Kunststoff mit viel Technik. Herrmanns Boot mit dem Namen Sea­explorer Yacht Club de Monaco wird von einem Autopiloten gesteuert. Mithilfe von Satelliten werden Daten gesendet, empfangen und vom Bordcomputer ausgewertet, etwa die Wettervorhersage, Seegang oder die Position. Dazu braucht es Strom, der an Bord mit Generatoren selbst erzeugt wird. Nach einem Blick auf den Bordcomputer entscheidet Herrmann, welche Segel er setzt und wie er sie trimmt, also welche Spannung sie haben. U-förmige Schwerter am Rumpf lassen die Jacht über das Wasser schießen.

Retter in Not
Bei der Vendée Globe kann viel schiefgehen: Masten brechen, das Boot wird beschädigt, Kentern droht – und immer sind die Segler auf sich alleine gestellt. Boris Herrmann etwa musste am 19. Tag auf See in der Dunkelheit in schwindelnder Höhe einen gebrochenen Mast reparieren. Das hat ihn Zeit gekostet, aber er konnte aufholen. Kurze Zeit später hat er bei der Rettung des Franzosen Kevin Escoffier geholfen. Dessen Boot war im Sturm bei fünf Meter hohen Wellen auseinandergebrochen. Er schickte eine Nachricht: „Ich brauche Hilfe. Ich sinke. Das ist kein Witz.“ Segler in der Nähe haben ihn sofort gesucht, mit dabei auch Boris Hermann, und Escoffier konnte in einer spektakulären Aktion gerettet werden. Dafür hat Boris Herrmann sechs Stunden gutgeschrieben bekommen.


Boris Herrmann ist schon als kleiner Junge mit seinem Vater durch das Wattenmeer der Nordsee gesegelt. Und als Jugendlicher hat er davon geträumt, beim härtesten aller Wettkämpfe mitzusegeln. Mit 39 Jahren ist es nun so weit, und als erster Deutscher wagt er dieses lebensge- fährliche Abenteuer. Wenn er nicht gerade auf den Meeren dieser Welt unterwegs ist, lebt er mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter, die erst vor knapp einem halben Jahr zur Welt kam, in Hamburg.