Pascal Wehrlein & André Lotterer, Rennfahrer „Bei uns gewinnen nicht immer dieselben“

Federico (10) ist begeistert vom Rennsport. Besonders angetan hat es ihm die Formel E. Im Interview mit den Porsche-Fahrern Pascal Wehrlein und André Lotterer wollte er wissen, wie sie sich auf die neue Saison vorbereiten.

Federico: Ich will auch mal Rennfahrer werden. Wie seid ihr zum Motorsport gekommen?

André Lotterer: Ich war mit etwa sieben Jahren zum ersten Mal auf der Kartbahn. Mein Vater hat gesehen, dass mir der Leihkart ein bisschen zu langsam war. Darum hat er mich gefragt, ob ich das wirklich machen möchte, bevor er mir einen eigenen Kart kauft. Ich habe sofort Ja gesagt.

Pascal Wehrlein: Mit acht Jahren habe ich mit dem Kartfahren angefangen. Davor habe ich immer die Formel 1 mit meinem Vater angeschaut. Egal, wann die Rennen waren – auch um fünf Uhr morgens beim Großen Preis von Australien. Ich habe meinen Vater geweckt, um das mit ihm anzuschauen. Als ich vier oder fünf Jahre alt war, sind wir dann als Zuschauer am Hockenheimring gewesen. Danach habe ich zu meinem Vater gesagt: ,Ich will eines Tages Rennfahrer werden.‘ Ich habe dann noch drei Jahre gebraucht, meine Eltern zu überzeugen, endlich mal Kartfahren zu gehen.

Federico: Was ist das Besondere an der Formel E?

Pascal: Die Autos sehen richtig cool aus, total zukunftsmäßig. Und wir fahren nie auf den bekannten Rennstrecken, sondern es gibt nur Stadtkurse, das macht extrem viel Spaß! Wenn man da die Mauer berührt, dann ist das Auto kaputt. Man muss also sehr genau fahren und darf keine Fehler machen. Wenn man vorne mitfährt oder sogar gewinnt, dann hat man das Gefühl, wirklich etwas Besonderes geschafft zu haben. In anderen Rennserien, zum Beispiel in der Formel 1, gibt es sehr große Unterschiede zwischen den Autos. In der Formel E sind alle Autos sehr ähnlich.

Federico: Stimmt es, dass Entwicklungen für den Rennsport auch im normalen Straßenverkehr eingesetzt werden?

Pascal: Ja, auf jeden Fall. Deswegen gibt es auch die Rennserien: Die Hersteller wollen da Entwicklungen machen, und die sind im Motorsport sehr schnell. Das, was man dort lernt, nutzen die Hersteller dann für die normalen Straßenautos.

Federico: Ihr fahrt ja auch im Simulator. Wie nah ist das an einem Formel-E-Rennen dran?

Pascal: Da muss man unterscheiden. Es gibt Simulatoren für zu Hause, zum Beispiel für die Playstation. Die sind natürlich nicht so nah an der Realität. Wir haben aber einen Simulator, der komplett so abgestimmt ist wie das echte Rennfahrzeug. Da werden alle Daten einprogrammiert, wir haben das gleiche Lenkrad, das gleiche Fahrgestell – das fühlt sich an wie unser richtiges Auto. Dieser Simulator ist richtig groß und bewegt sich auch, wenn man um die Kurve fährt.

André: Darum müssen wir darin sogar einen Helm tragen!

Federico: Wie bereitet ihr euch auf die nächsten Rennen vor?

André: Wir bereiten uns tatsächlich komplett im Simulator vor. In anderen Rennserien darfst du eine Strecke mieten und dort testen gehen. In der Formel E läuft das anders, da wir ja nicht auf Rennstrecken, sondern in Städten fahren. Es gibt Firmen, die uns die Strecke einscannen – sogar mit den ganzen Bodenwellen. Und die Grafik sieht auch sehr echt aus. Im Simulator testen wir dann in den verschiedenen Leistungsmodi. Denn in der Formel E gibt es ja für das Rennen mehr Leistung, durch den Fan-Boost und im Attack-Mode. Den Energieverbrauch müssen wir uns einteilen, das muss man üben.

Federico: Wie gut sind eure Chancen auf den Titel?

Pascal: Ich glaube, dass wir sehr gut vorbereitet sind. Letztes Jahr ist Porsche komplett neu eingestiegen. Da hat man viel gelernt. Die Konkurrenz schläft aber auch nicht, deswegen können wir es kaum abwarten zu sehen, wo wir stehen. Aber ganz klar: Wir wollen Rennen gewinnen und um die Meisterschaft mitfahren!

André: In der Formel E sind alle so eng beieinander, da kann eigentlich jeder gewinnen. Das ist das Besondere an dieser Meisterschaft. In den ersten sieben, acht Rennen kann es immer einen anderen Sieger geben. Das ist nicht wie in der Formel 1, wo ständig dieselben gewinnen.


André Lotterer
Geburtstag: 19.11.1981 in Duisburg (Nordrhein-Westfalen), er ist 39 Jahre alt.
Hobbys: Rennrad fahren und selbst Bikes bauen, Fotografieren
Rennfahrerkarriere: André Lotterer hat einige Stationen im Rennsport abgehakt. Zum Beispiel: 1995 wurde er Kart-Juniorenweltmeister. 2002 ging es für ihn nach Japan als Formel-1- Testfahrer. In der Super-GT-Meisterschaft holte er sich 2006 und 2009 den Titel. Beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans trat er mehrfach an – und gewann dreimal: 2011, 2012 und 2014. Seit 2017 sitzt er im Porsche. Am Ende der vergangenen Formel-E-Saison lag er als bester Deutscher auf Platz 8.

Pascal Wehrlein
Geburtstag: 18.10.1994 in Sigmaringen (Baden-Württemberg), er ist 26 Jahre alt.
Hobbys: Snowboarden, Wakeboarden, Fitness
Rennfahrerkarriere: Auch Pascal Wehrlein ist schon viele verschiedene Rennen von verschiedenen Renn- serien gefahren. Zum Beispiel wurde er Zweiter in der Formel-3-Euroserie. Als 20-Jähriger gewann er die Deutschen Tourenwagen-Masters (DTM), als jüngster DTM-Champion aller Zeiten. Zwei Jahre startete er in der Formel 1, seit 2018 in der Formel E. Nun sitzt er erstmals für Porsche hinterm Steuer.