Margut Auer, Autorin „Stark zu sehen, wie meine Figuren lebendig werden“

Nach langem Warten ist es so weit: Ab Donnerstag, 14. Oktober, kannst du die „Schule der magischen Tiere“ im Kino sehen. Unsere Kinderreporter Hannah und Jakob (beide 9) haben sich vorher mit der Autorin Margit Auer über den Film und ihre magische Welt unterhalten.

Jakob: Sie haben mal gesagt, dass die Welt aus ihren Büchern auch im Film so bleiben soll, wie Sie sie erfunden haben. Ist der Film so geworden, wie Sie ihn sich vorgestellt haben?

Margit Auer: Stimmt genau. Das war mir das Allerwichtigste. Dass Kinder in die Welt eintauchen können, die sie aus den Büchern kennen. Ich wollte diese schönen Gefühle wiedersehen: Wärme, aufgehoben sein, zu spüren, wie wichtig Freundschaft ist und wie witzig Schule sein kann. Zum Glück ist der Film so geworden!

Jakob: Warum sind im Film manche Dinge ganz anders als im Buch?

Margit Auer: Verfilmt wurde der erste Teil, aber ein bisschen anders. Das finde ich spannend, weil man die eine oder andere Überraschung erlebt. Man weiß nicht genau, was in der nächsten Minute passieren wird, auch wenn man das Buch gelesen hat. Zum Beispiel am Anfang: Im Buch geht es so los, dass Mr. Morrison mit dem Bus um die Welt fährt und Juri den Pinguin einsammelt. Im Film werden wir eine andere Szene sehen. Das finde ich ziemlich cool. Aber die Kinder, die Tiere, Miss Cornfield, Mortimer Morrison – die sind genauso geblieben, wie wir sie aus den Büchern kennen. Jo ist immer noch der Draufgänger, Ida die Superkluge und Benni eher der Schüchterne und Brave.

Jakob: Haben Sie eine Lieblingsszene?

Margit Auer: Eine ruhige Szene finde ich besonders schön: Benni und Henrietta haben sich gestritten. Benni sitzt traurig an seinem Schreibtisch, nagt an einem Stift und überlegt, wie es weitergehen könnte. Henrietta kauert grummelnd unterm Bett und ist auch ganz traurig. Dann zupft Benni ein Blatt von einer Grünpflanze, krabbelt damit unter das Bett und streckt es Henrietta entgegen. Henrietta knabbert dran. Das ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.

Hannah: Waren Sie bei den Dreharbeiten dabei?

Margit Auer: Es waren 42 Drehtage. Jeden Tag konnte ich nicht dabei sein, denn mein Beruf ist es ja, Bücher zu schreiben. Aber ich wollte unbedingt jeden Drehort einmal gesehen haben. Das hat geklappt.

Hannah: Wo ist die Schule der magischen Tiere?

Margit Auer: In die Bücher habe ich nicht geschrieben, wo die Schule steht, und auch nicht, in welche Klasse die Kinder gehen. Das ist Absicht. Kinder, die meine Bücher lesen, sollen das Gefühl haben, diese Geschichten könnten auch an ihrer Schule spielen. Auch an ihre Klassenzimmertür könnte Mr. Morrison klopfen und ein Tier vorbeibringen.

Hannah: Und die Schule im Film?

Margit Auer: Das ist ein großes Schloss in der Nähe von Wien. Es heißt Schloss Grafenegg, hat viele Erker, Türmchen und lange Gänge – einfach großartig. In München wurden dann andere Szenen gedreht. Ich habe mir dort die Bibliothek, den Friseursalon Elfriede und Bennis und Idas Kinderzimmer angesehen. Das war sehr spannend.

Hannah: Warum?

Margit Auer: Es ist schon eine starke Nummer zuzuschauen, wie die Figuren, die ich mir ausgedacht habe, plötzlich lebendig werden. Oder Herrn Siegmanns Kohlrabisammlung zu sehen. Die ist sehr cool geworden.

Jakob: Im Film wird auch gesungen. Haben Sie die Liedtexte geschrieben?

Margit Auer: Nein, das habe ich nicht. Ich habe auch die Musik nicht komponiert. Dafür gibt es absolute Superprofis, die das viel besser können. Den Titelsong singt Sasha. Aber alle Lieder wurden vorher getestet. Man hat sie Kindern vorgespielt und dann geschaut, ob die Kinder mitsingen oder anfangen zu tanzen. Lieder, die den Kindern nicht gefallen haben, sind wieder rausgeflogen.

Jakob: Soll es noch mehr Filme geben?

Margit Auer: Tatsächlich! Film Nummer zwei ist schon in Arbeit. Die Dreharbeiten sind abgeschlossen.

Jakob: Wann kommt der zweite Film ins Kino?

Margit Auer: Das weiß ich noch nicht. Durch Corona hat es so lange gedauert, bis ihr den ersten Teil im Kino sehen könnt. Eigentlich war das für letztes Jahr geplant. Umso toller, dass Film Nummer zwei schon gedreht wurde, obwohl man noch gar nicht weiß, wie der erste Film bei euch Kindern ankommt.

Hannah: Wie sind Sie auf die Idee für die Schule der magischen Tiere gekommen?

Margit Auer: Ich habe Schulgeschichten von meinen eigenen Kindern zusammengemischt mit einer Prise Magie und der großen Liebe von Kindern zu ihren Haustieren. Ich habe zum Beispiel beobachtet, wie sich ein Kind mit seiner Katze unterhält. Und dann dachte ich: Mann wäre das cool, wenn diese Katze auch antworten könnte. Und wenn es als Haustier nicht nur Hund oder Katze gäbe, sondern auch eine Vogelspinne, einen Leopard oder ein Känguru.

Hannah: Wo holen Sie sich Ideen für Ihre Bücher?

Margit Auer: Ich schaue zu, was Kindern gefällt, wobei sie Spaß haben, worüber sie lachen oder sich ärgern. Auf den Lesungen frage ich, welches Tier sie gerne hätten. Und dann kann es passieren, dass ein Tier davon in meinen Büchern landet. So war es zum Beispiel bei Toffi, dem Hund. Ich hätte ihn nicht in die Geschichte reingenommen, weil ich dachte, ein Hund ist ein zu normales Haustier. Aber die Kinder bei den Lesungen haben sich so dringend gewünscht, dass ein Hund vorkommt. Also kam Toffi zu Ronja.

Hannah: Bekommt Leonie irgendwann ihr Pony?

Margit Auer: Das verrate ich nicht.


Steckbrief
Geboren: am 23. Februar 1967 in Mühldorf am Inn
Wohnort: eine kleine Stadt in Bayern
Beruf: Journalistin und Schriftstellerin
Hier schreibe ich am liebsten: Bibliothek
Kinder: 3
Das wollte ich als Kind werden: Postbotin
Hobbys: Joggen, Schwimmen und Lesen
Dieses magische Tier hätte ich gerne: Esel
Lieblingsessen: Kürbisrisotto
Lieblingssatz aus „Die Schule der magischen Tiere“: „Knips die Sterne an, Prinzessin!“

Vor etwa acht Jahren begann Margit Auers Erfolgsgeschichte. Damals wurde der erste Band ihrer Kinderbuchserie „Die Schule der magischen Tiere“ veröffentlicht. Mittlerweile gibt es mehr als 20 verschiedene Bücher rund um „Die Schule der magischen Tiere“. Bisher wurden sie ungefähr sieben Millionen Mal gedruckt. Damit auch Kinder in anderen Ländern die Geschichten über Rabatt, Ida, Henrietta, Benni und all die anderen lesen können, wurden sie in 24 verschiedene Sprachen übersetzt. Dänisch, Japanisch, Russisch und Ungarisch zum Beispiel.