Jacob Beautemps, Wissenschafts-Youtuber „Jeder kann Naturwissenschaften verstehen“

„Das schwerste Objekt der Welt“ oder „Rettet das Coronavirus unser Klima?“ – so heißen die Videos auf dem Kanal „Breaking Lab“ von Wissenschafts-Youtuber Jacob Beautemps. Im Interview verrät er, was er vom Lernen im Internet hält und wie das Klassenzimmer der Zukunft aussehen könnte.

Kann man mit Youtube lernen?
Jacob: Ja! Es ist sogar wissenschaftlich bewiesen, dass Kinder Youtube zum Lernen und als kostenlose Nachhilfe nutzen können. Du brauchst nicht viel, um dir ein Video voller spannender Fakten anzuschauen – ein Gerät mit Internet reicht, und das hat mittlerweile fast jeder. Es gibt nur eine kleine Hürde auf dem Weg zum Lernen mit Youtube: Im Gegensatz zur Schule, in die man gehen muss, muss man beim Lernen mit Youtube auch wirklich lernen wollen.

Ersetzt das Internet bald die Schule?
Jacob: Nein, auf keinen Fall. Würde ich so denken, hätte ich nicht selbst jahrelang studiert, um Lehrer zu werden. Ein Video ersetzt nie einen Lehrer und guten Schulunterricht. Aber ich denke, dass beides zusammen gut funktioniert. Seit der Coronakrise binden auch immer mehr Lehrer Videos oder Internetseiten in ihren Unterricht ein. Das lockert langweiligere Themen auf.

Wie wird der Schulunterricht der Zukunft aussehen?
Jacob: Manche sagen, dass das für Lehrer gefährlich wird oder dass ein Roboter unseren Job übernehmen kann. Aber das glaube ich nicht. Einen Lehrer kann nichts auf der Welt ersetzen. Der Roboter verteilt vielleicht Arbeitsblätter, aber ein guter Lehrer motiviert auch, erklärt und hilft. Ich denke trotzdem, das Klassenzimmer der Zukunft wird viel moderner sein, und es werden mehr Videos, mehr Technik oder Apps eingebunden, damit jeder so lernen kann, wie er mag.

Dein Klassenzimmer ist Youtube. Wieso?
Jacob: Auf Youtube sind genau die Leute, die wir erreichen wollen – Kinder und Jugendliche. Man kann noch so spannende Apps oder Internetseiten entwickeln, aber die müssen die Kinder erst einmal suchen und finden. Ich erreiche so viele junge Leute mit meinen Videos, weil die meisten sowieso auf Youtube unterwegs sind.

Was macht ein richtig gutes Wissensvideo aus?
Jacob: Auf Youtube ist die Ablenkung durch andere Videos sehr groß. Meine Videos müssen deshalb mindestens genauso spannend sein, dann schauen die Zuschauer sie auch freiwillig an. Deshalb würde ich mich auch nie einfach vor eine Tafel stellen und reden, sondern mache immer Versuche oder solche Dinge. Natürlich hat es auch viel mit der Persönlichkeit des Moderators zu tun. Denn wenn der Zuschauer mich nicht mag, schaut er meine Videos auch nicht.

Was ist wichtig beim Lernen im Internet?
Jacob: Wenn man wirklich etwas lernen und mitnehmen will, sollte man selbst aktiv werden. Auf Pause drücken und die wichtigsten Infos aufschreiben etwa. Am besten lernt man in Häppchen, sucht sich also nur wenige Videos heraus, die aber gut und interessant sind. Außerdem braucht man die richtige Einstellung. Genau wie beim Lernen in der Schule, passt man für eine kurze Zeit wirklich auf und lernt, und dafür hat man danach frei und kann etwas anderes machen.

Hast du Tipps, woran man gute Wissensvideos erkennt?
Jacob: Wenn es ein gutes Video ist, erwähnt der Moderator im Video, auf welche Fakten er sich bezieht oder hat Informationen dazu, woher er die Fakten hat, in die Videobeschreibung geschrieben. Gut ist auch, wenn Experten von außen zu Wort kommen und nicht immer nur ein und dieselbe Person etwas erklärt. Bei manchen Youtubern weiß man einfach, dass sie selbst viel Ahnung haben, etwa bei MaiLab. Sie ist Doktorin der Chemie, hat viele Jahre studiert und gelernt. Oder es sind Videos von offiziellen Kanälen, wie etwa von funk, dem jungen Kanal der Fernsehsender ARD und ZDF. Da stecken echte Journalisten dahinter, die alle Fakten vorher überprüfen.

Wie aufwendig ist die Produktion von deinen Videos?
Jacob: Das ist sehr schwer zu sagen. Ich arbeite nicht allein, wir sind ein Team. Die Recherche ist am wichtigsten, wir verbringen zwei bis drei Tage damit, um Fakten herauszusuchen und zu überprüfen. Dann überlegen wir uns, wie wir das Thema gut darstellen. Manchmal gehen wir raus an besondere Drehorte oder verreisen sogar. Meistens dauert ein Video bis zu zwei Wochen. Naturwissenschaftliche Versuche mache ich natürlich am liebsten, diese sind aber nicht immer einfach aufzunehmen.

Du machst viele Videos zu Physik und Naturwissenschaften. Viele Kinder mögen diese Fächer in der Schule nicht so gerne. Wieso?
Jacob: Leider werden Naturwissenschaften wie die Physik in der Schule oft mit wenig Leidenschaft erklärt. Die Hälfte der Klasse fragt sich nach der Stunde: Was hat das jetzt mit dem echten Leben zu tun? Dabei sind die Naturwissenschaften nur eine Beschreibung von dem, was um uns herum passiert. Fällt zum Beispiel dein Apfel auf den Boden, ist das schon Physik, denn dann wirkt die Schwerkraft. So schwer kann es nicht sein, wenn es uns jeden Tag umgibt und begleitet. Wenn es richtig erklärt wird, kann jeder Naturwissenschaften verstehen!

Schaust du selbst noch Youtube-Videos?
Jacob: Auf jeden Fall! Ich schaue regelmäßig, was es Neues gibt. Lustigerweise schaue ich sehr selten Wissensvideos. Dafür klicke ich oft auf Anleitungs- und Bastelvideos, in denen Leute aus alten oder kaputten Alltagsgegenständen etwas cooles Neues erschaffen.


Jacob Beautemps ist 27 Jahre alt und dreht Wissensvideos. Sein Youtube-Kanal „Breaking Lab“ hat 351 000 Abonnenten. Dort beschäftigt er sich mit vielen spannenden Fakten und Fragestellungen, die er mithilfe von Experimenten oder Experten klären möchte. Sein meistgeklicktes Video beschäftigt sich mit der Kryonik, also dem Einfrieren von Menschen, und hat 1,3 Millionen Aufrufe. Neben seiner Arbeit als Youtuber forscht er an der Universität zu Köln zum Thema Lernen auf Youtube und dazu, was ein gutes Wissensvideo ausmacht. Außerdem ist er regelmäßig als Experte in verschiedenen Fernsehsendungen zu sehen.