Clarissa Corrêa da Silva, Moderatorin „Ich kann mich für fast alles begeistern“

Eine orangefarbene Maus ist in Feierlaune: „Die Sendung mit der Maus“ wird 50 Jahre alt! Zu ihrem Team gehört seit 2018 auch Clarissa Corrêa da Silva. Unseren Kinderreportern Dana (10) und Victor (12) hat sie von ihren Erfahrungen mit der Maus, aber auch mit „Wissen macht Ah!“ und „Triff ...“ erzählt.

Victor: Du hast fünf Jahre in Brasilien gelebt – gibt es dort eine Sendung, die mit der Maus vergleichbar ist?

Clarissa Corrêa da Silva: Nein, leider nicht. Aber genau deshalb finde ich die Maus so einzigartig. Ich glaube, es gibt fast keine Kindersendung auf der Welt, die schon so lange existiert. In Brasilien ist das Fernsehangebot für Kinder gerade im Wissensbereich nicht sehr groß. Da läuft vor allem ganz viel Zeichentrick, Animationsfilme oder einfach Unterhaltung.

Victor: Welche Themen moderierst du denn am liebsten?

Clarissa: Ich mag alles sehr gerne, was mit Naturwissenschaften zu tun hat. Mein Stiefpapa ist Physikprofessor – deswegen fand ich schon immer alles spannend, was mit Physik und Mathe zu tun hat. Aber auch Biologie mag ich – meine Mama ist Ärztin, dadurch hatte ich auch schon immer viel mit biologischen Themen zu tun. Und meine Ferien habe ich als Jugendliche oft beim Naturschutzbund verbracht. Da sind wir durch Wälder gestapft und haben Vögel gezählt oder Insekten eingefangen und uns die angeguckt oder im Winter Tierspuren im Schnee gelesen.

Dana: Gibt es bei deiner Arbeit manchmal auch Themen, die dich überhaupt nicht interessieren, die du aber trotzdem machen musst?

Clarissa: Klar, ab und zu. Aber ich muss sagen: Eigentlich kann ich mich für fast alles begeistern. Selbst wenn ich auf den ersten Blick sage: „O. k., das ist jetzt nicht so mein Thema“, bin ich immer wieder überrascht, dass ich dann doch etwas total spannend finde. Zum Beispiel habe ich mal eine Sachgeschichte zum Lupinen-Schnitzel gemacht. Da waren wir bei einer Firma, die aus Lupinen Fleischersatz macht, zum Beispiel Schnitzel oder Würstchen. Das war dann megaspannend, den ganzen Tag in so einer Fabrik zu sein. Das hätte ich nicht gedacht, dass ich mal so richtig Lust haben würde, in einer Schnitzelfabrik zu arbeiten!

Dana: Konntet ihr trotz Coronaregeln Sendungen drehen?

Clarissa: Ja, zum Glück. Aber es ist auch schwierig. Wir müssen ganz streng auf die Hygieneregeln achten. Unsere Teams sind möglichst klein. Dadurch müssen die einzelnen Leute mehr machen als sonst. Hinter der Kamera tragen alle Masken, vor der Kamera nehmen wir sie nur ab, wenn gerade gedreht wird. Im vergangenen Oktober haben wir „Triff ...“ gedreht. Das war schon kompliziert. Das ganze Team wurde getestet, und dann sind wir zehn Tage lang in Isolation gegangen. Wir waren in keinem anderen Gebäude, hatten immer unseren eigenen Essensraum, haben niemand anderen getroffen. Am Set wurde jeden Tag Fieber gemessen und wenn nötig ein Schnelltest gemacht. Das war anstrengend, aber wir waren froh, dass wir drehen konnten.

Victor: Wie viel arbeitest du vor den Dreharbeiten an einem Thema mit, also beim Recherchieren und Planen?

Clarissa: Bei der Maus und bei „Wissen macht Ah!“ mache ich das tatsächlich weniger. Da gibt es viele Menschen, die das schon sehr lange und ganz toll machen. In meiner Freizeit fällt mir oft etwas auf, und dann schlage ich das Thema den Redakteuren vor. Aber bei der Maus sagen sie mir dann ganz oft: Das haben wir doch schon mal gemacht. Die gibt es eben schon seit 50 Jahren! Bei „Triff ...“ ist das anders. Für die Folge über die amerikanische Sklavenbefreierin Harriet Tubman habe ich alles recherchiert, das Drehbuch geschrieben, die Reportagen hinter und vor der Kamera gemacht.

Dana: Viele Kinder träumen davon, auch mal ins Fernsehen zu kommen. Ist in Wirklichkeit alles so schön, wie es aussieht?

Clarissa: So wie bei jeder Arbeit gibt es gute und schlechte Seiten. Beim Fernsehen muss man auf jeden Fall wissen, dass alles sehr viel Zeit braucht. Am Ende sieht das immer so schnell und spaßig aus, aber manchmal stecken dahinter sehr, sehr lange Tage. Da kann man auch mal einen Hänger haben, oder man ist supermüde, muss aber noch drei Stunden vor der Kamera stehen. Oder ihr habt etwas gedreht und habt dann erst mal vier Stunden Pause. Früher habe ich auch bei der Sendung „Kummerkasten“ gearbeitet. Dort haben wir uns zum Teil mit sehr schwierigen oder traurigen Themen auseinandergesetzt. Da gab es Tage, an denen ich total traurig war und abends auch mal weinen musste. Am nächsten Tag hat man dann vielleicht nicht so große Lust, wieder in die Redaktion zu gehen.

Victor: „Die Sendung mit der Maus“ beschäftigt sich jetzt mit der Zukunft. Was hast du dazu schon gedreht?

Clarissa: Wir beschäftigen uns zum Beispiel mit dem Essen und der Kleidung der Zukunft. Eine coole Sachgeschichte haben wir am Stuttgarter Flughafen gedreht. Die benutzen etwas total Zukunftsmäßiges in der Gepäckausgabe, und zwar ein sogenanntes Exoskelett. Das ist eine Art Rucksack, den man umschnallen kann und der dich dann in deiner Bewegung unterstützt. Menschen, die den ganzen Tag schwere Koffer vom Band heben, werden dadurch enorm entlastet. Das könnte in Zukunft überall dort, wo schwer gehoben wird, genutzt werden.

Dana: Mein Traumberuf ist auch Journalistin. Würdest du mir dazu raten?

Clarissa: Absolut! Ich finde, als Kinderreporterin bist du schon auf einem richtig guten Weg! Einfach dran bleiben und ganz viel ausprobieren! Finde deine Lieblingsthemen, für die du brennst und Leidenschaft hast. Wenn man etwas macht, was man liebt, ist man automatisch gut!



Clarissa Corrêa da Silva Clarissa
sagt, sie kennt „Die Sendung mit der Maus“ schon, seit sie denken kann. Schließlich gab es die schon 20 Jahre bevor Clarissa auf die Welt kam. Dank einer „Maus“-Sachgeschichte kennt die Moderatorin den Unterschied zwischen „dasselbe“ und „das Gleiche“: Denn wenn Armin und Jan dasselbe T-Shirt gleichzeitig anziehen wollen, haben sie ziemliche Schwierigkeiten, beide Köpfe durch den Kragen zu schieben. Daran denkt Clarissa bis heute, wenn sie nicht sicher ist. Bevor sie Journalistin werden wollte, träumte sie von einer Karriere als Primaballerina. Später wollte sie Kommissarin werden. Aber als sie erfuhr, dass sie dafür Waffen benutzen müsste, hatte sie darauf keine Lust mehr. Schließlich studierte sie Kommunikationswissenschaften und Medienmanagement in Stuttgart und Weimar. Heute ist sie nicht nur in der „Sendung mit der Maus“ zu sehen, sondern auch in „Wissen macht Ah“. Und in „Triff ...“ begegnet sie berühmten Personen aus der Vergangenheit, zum Beispiel Kleopatra oder Napoleon.