Bahn-Streik Die Züge stehen still

Ricarda Stiller

Es ist bereits der vierte und mit Abstand der längste Arbeitskampf im laufenden Streit bei der Deutschen Bahn: Die Lokführer streiken seit der Nacht von Dienstag auf Mittwoch. Bis Montagabend soll der Streik andauern. Zwar gibt es einen Notfallfahrplan, es fährt aber nur noch etwa jeder fünfte Zug. Betroffen sind sowohl Fahrgäste als auch der Güterverkehr. Es werden also auch weniger Waren auf der Schiene transportiert.

Bei der Bahn wird aus den gleichen Gründen gestreikt wie in anderen Betrieben: Die Angestellten möchten bessere Arbeitsbedingungen und mehr Geld verdienen. Wenn sich die Chefs und ihre Angestellten in normalen Gesprächen nicht einigen, wird die Arbeit niedergelegt. Im aktuellen Streit will die Gewerkschaft GDL erreichen, dass die Bahn-Angestellten nur noch 35 statt 38 Stunden pro Woche arbeiten müssen und sie trotzdem genauso viel Geld verdienen. Die Lokführer sagen, dass sie viel zu wenige seien und dadurch häufig Überstunden machen müssten. Sie wollen, dass ihr Beruf durch bessere Arbeitsbedingungen attraktiver wird, sodass sich in Zukunft mehr Menschen für den Beruf des Lokführers entscheiden. Durch Streiks üben sie Druck auf die Chefs aus. Das Motto bei einem Streik lautet in der Regel: „Seht her! Ohne uns läuft hier gar nichts!“ Manche Fahrgäste haben Verständnis dafür, dass sich die Lokführer für besser Arbeitsbedingungen einsetzen. Mehr als die Hälfte der Menschen ärgert sich aber, weil die Züge immer wieder wegen Streiks stillstehen.

Nicht jeder darf streiken

Eine Zeit lang einfach nicht mehr zur Arbeit zu gehen ist nicht erlaubt. Man kann nicht selbst entscheiden, dass man streikt. Zum Streik rufen Gewerkschaften auf. Bei der Bahn sind das die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) und die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL). Eine Gewerkschaft setzt sich für die Rechte der Angestellten ein. Es gibt zum Beispiel auch Gewerkschaften für Bauarbeiter oder für Angestellte in Kitas oder anderen Einrichtungen. Die Mitglieder zahlen Beiträge und wählen Stellvertreter, die mit den Chefs bessere Arbeitszeiten und mehr Geld aushandeln. Können sich Gewerkschaft und Betriebe nicht einigen, kann gestreikt werden. Die meisten Mitarbeiter der Bahn sind in der EVG, nur wenige in der GDL organisiert. Aktuell hat die GDL zum Streik aufgerufen. Sowohl die EVG als auch die GDL legen immer wieder den gesamten Schienenverkehr lahm. Sie rufen aber selten gleichzeitig zum Streik auf. Für Reisende macht es keinen Unterschied, welche Gewerkschaft zum Streik aufruft. So oder so fährt dann fast kein Zug.